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Jasmin Böttger & Günther Brackmann
Kritiken

 

Unter dem Motto "Classic meets Jazz" stand der Abend. Aber es war nicht so sehr die Symbiose, die musikalische Ehe, die thematisiert wurde, sondern zwei viel zu kurze, aber hörenswerte Reisen durch die Welt dieser Musikstile. Erst am Schluss spielten die beiden Künstler im Duett. Jasmin Böttger und Brackmann pickten sich nur die Sahnestückchen heraus. Barockmusik von Dome-nico Scarlatti, die wie Filmmusik klang, Beethovens "Für Elise" sowie seine Klaviervariation "God save the King" und Chopins "Fantasie Impromptu" - mit diesen leicht zugänglichen, gefühlsbetonten Werken verzauberte die Pianistin die Herzen der Zuhörer. Doch bevor es zu romantisch wurde, gab es einen "Kracher" moderner Musik: Die Reise endete mit dem "Klavierstück Nummer 2" von Hans-Christian von Dadelsen - das einzige klassische Stück des Abends, das inhaltlich eine Affinität zum Jazz aufzeigte. Auf dem Höhepunkt der Komposition ertönte plötzlich ein Geräusch wie von einem Synthesizer erzeugt. Die Lösung des Rätsels: eine frei schwe-bende Sicherheitsnadel auf der G-Saite des Klaviers. Kein Einfall der Künstlerin, sondern eine Anweisung des Komponisten von Dadelsen. Brackmanns Reise durch die Jazzmusik begann mit einem Ragtime-Klassiker, den einst die Spatzen von den Dächern pfiffen: "Der Entertainer", bekannt aus dem Film "Der Clou". Es folgten Boogie Woogie-Stücke ("Pine Top's Boogie Woogie") und Blues-Standards wie "Basin Street Blues" von Louis Armstrong. Je mehr Brackmann spielte, desto besser wurde er und umso mehr improvisierte er mit hartem Tasten-anschlag auf dem Flügel. Der Künstler spielte sich warm und wärmer, griff immer wieder zum Hand-tuch, um sich den Schweiß vom Gesicht zu wischen, und forderte das Publikum auf mitzuklatschen. Wie Jasmin Böttger würzte auch Brackmann seinen Auftritt zwischendurch mit Erläuterungen - bei ihm waren sie jedoch nicht immer ganz so ernst gemeint: "Manche sagen, es gebe nur drei Arten des Blues: Erstens: 'My woman left me', zweitens: 'She took all my money' und drittens: 'My woman left me und she took all my money'." Wenn an diesem Abend weniger die Vereinigung, die Ehe von Klassik und Jazz, im Mittelpunkt stand, sondern bestenfalls der Flirt der beiden Stile, so konnten die Zuhörer die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, dass es kein entweder Klassik oder Jazz gibt.

Quickborner Tageblatt